Frühe Hilfe bietet die besten Chancen

Stütz- und Förderklasse an der Johannes-Still-Schule stellt eine intensive Betreuung und Unterrichtung der Kinder sicher

Freundliche Begrüßung für Landrat Michael Fahmüller (2.v.r.): Schulleiter Werner Hacker (r.), Erzieherin Michaela Kurzlechner (l.) und Lehrer Martin Altinger (2.v.l.) und vor allem die Kinder freuten sich über den Besuch.

Eggenfelden. Seit Beginn des aktuellen Schuljahres gibt es am sonderpädagogischen Förderzentrum der Johannes-Still-Schule in Eggenfelden eine Stütz- und Förderklasse. Hier werden Kinder unterrichtet und betreut, bei denen ein sehr hoher sonderpädagogischer Förderbedarf in der sozialen und emotionalen Entwicklung besteht. Bei einem Besuch in der Klasse machte sich Landrat Michael Fahmüller ein Bild von der außergewöhnlichen Arbeit, die in der kleinen Gruppe geleistet wird.

Ein helles Klassenzimmer, ein freundlich möblierter Aufenthaltsraum, eine Küchenzeile und ein Esstisch, an dem alle Kinder und ihre Betreuer Platz haben. Schulleiter Werner Hacker von der Johannes- Still-Schule ist zufrieden mit der Gestaltung der Räume: „Die Kinder sind schließlich von 7.45 Uhr morgens bis nachmittags um 16 Uhr bei uns im Haus, da soll die Umgebung auch ein Wohlfühlen möglich machen", unterstrich er im Gespräch mit dem Landrat. Der Landkreis ist Sachaufwandsträger der Förderschule in Eggenfelden, von der Kreiskasse werden auch die Kosten für die pädagogische Fachkraft getragen, die zusammen mit den Lehrkräften für die Betreuung der Kinder zuständig ist.

Denn intensive Betreuung ist das Hauptmerkmal der Stütz- und Förderklasse, wie der Schulleiter betont: „Die Kinder, die zu uns kommen, können nur in kleinen Lerngruppen und eben mit individueller Betreuung Lernfortschritte erzielen", so der Schulleiter. Mehr als acht Kinder können deshalb in einer derartigen Stütz- und Förderklasse nicht aufgenommen werden, das sieht auch Lehrer Martin Altinger so: „Jedes Kind stellt ganz besondere Anforderungen an die Lehrkraft, man muss auf die speziellen Bedürfnisse eingehen, aber dann sind schon beachtliche Fortschritte möglich", betont Altinger und stellt klar: „Unser Ziel ist es, die Kinder, die zu uns kommen, in Regelklassen zurückzuführen".

Wie wird dieses anspruchsvolle Ziel erreicht? „Wir setzen auf Lernangebote, die den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler entsprechen", erklärt Altinger. Dabei werde den Kindern aber nichts „geschenkt", im Gegenteil: „Wir orientieren uns an den Lerninhalten, wie sie in den Lehrplänen der Grund- und Hauptschulen stehen", erklärt er im Gespräch mit Landrat Fahmüller.

Selbstvertrauen gestärkt

Großer Wert wird auf die Förderung im emotional-sozialen Bereich gelegt, offenbar mit Erfolg: Kinder, die zuvor nur wenig Selbstvertrauen oder sogar große Unsicherheit zeigten, trauten sich, dem Landrat ganz offen Fragen zu stellen: Was er denn den ganzen Tag so mache, ob er selbst auch Kinder habe, ob ihm die Schule gefallen habe und vieles andere wollten sie wissen und es machte Michael Fahmüller sichtlich Freude, sich mit den Kindern zu unterhalten. „Wenn man bedenkt, dass diese Kinder in anderen Schulen massive Probleme hatten, dann kann der Wert einer solchen Stütz- und Förderklasse gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", so der Landrat. Die Investitionen in dieses spezielle Angebot seien sinnvoll und richtig: „Unsere Gesellschaft kann es sich nicht erlauben, Kinder und Jugendliche gewissermaßen am Weg stehen lassen, wir möchten sie  da abholen, wo sie stehen und dabei helfen, ihren Weg ins Leben zu gehen". Er sei froh darüber, dass der Landkreis die Stütz- und Förderklasse, die auch vom Amt für Jugend und Familie mit initiiert wurde, anbieten könne.

Vereint in einem Netzwerk tätig

Beeindruckt zeigte sich Landrat Fahmüller auch vom Konzept der intensiven Zusammenarbeit mit Eltern, Kinderäzten, Therapeuten und anderen Fachdiensten, die zusammen mit der Stütz- und Förderklasse ein Netzwerk bilden. Und das ist wichtig, denn, so Lehrer Martin Altinger: „Viele Schüler kommen bereits mit sehr negativen Schulerfahrungen in die Stütz- und Förderklasse. Für uns ist es wichtig, diesen Kindern ein Gefühl von Wertschätzung und Angenommensein zu vermitteln." Das mache es dann auch leichter für die Kinder, soziale Umgangsformen zu erlernen und sich an Regeln zu halten- im Unterricht ebenso wie beispielsweise am Mittagstisch oder bei der Vormittagsbrotzeit.

Erzieherin Michaela Kurzlechner, die vom Landkreis für die Stütz- und Förderklasse eingestellt wurde, ist hier ein wichtiger Bezugspunkt für die Kinder. Verständnisvoll, aber auch konsequent ist sie im Umgang mit den Kindern, die sich aber offensichtlich gerne auf die „Spielregeln" einlassen: Bereitwillig wird zur Mittagszeit der Tisch gedeckt und später wieder abgeräumt, dafür sind feste Dienste eingeteilt - auch dies ein Teil der Strukturen, die für die Kinder so wichtig sind. „Rituale und gleiche Tagesabläufe sind bei uns ebenso wichtig wie die Gruppenerfahrung beim gemeinsamen Spielen", erklärt Lehrer Martin Altinger.

Angebot beruht auf Freiwilligkeit

Das Angebot der Stütz- und Förderklasse basiert auf Freiwilligkeit, Eltern können nicht verpflichtet werden, ein Kind hier anzumelden. „Wir bieten den Eltern eine entsprechende Beratung, wir klären über unsere Möglichkeiten ebenso auf wie über die Chancen, die der Besuch der Klasse den Kindern bietet - aber entscheiden müssen die Eltern selbst", sagt Schulleiter Werner Hacker. Er verweist darauf, dass der Besuch der Stütz- und Förderklasse eine gute Möglichkeit sei, Probleme zu lösen, die an einer Regelschule vorerst nicht gelöst werden könnten. „In einer durchschnittlich großen Schulklasse besteht nicht immer die Möglichkeit, auf die besonderen individuellen Anforderungen jedes einzelnen Kindes einzugehen", weiß der Sonderpädagoge. Individuelle Förderpläne und Hilfspläne für jeden einzelnen Schüler- so etwas sei in der Regelschule nicht zu leisten. „Das muss aber auch nicht sein, denn wir bieten ja diese Besonderheiten an", stellt Hacker gegenüber Landrat Michael Fahmüller klar.

Der Landrat bedankte sich beim Team der Stütz- und Förderklasse und beim Schulleiter für den engagierten Einsatz: „Hier wird eine wirklich gute Arbeit geleistet", betonte er. Für die Kinder gab es nicht nur Lob, sondern auch eine süße Überraschung, die der Landrat mitgebracht hatte.

Informationen zur Stütz- und Förderklasse erhalten interessierte Eltern an der Johannes-Still-Schule (08721 / 96570).

 

(Quelle: PNP)